Schattenarbeit: den eigenen Schatten erkennen und integrieren

Was ist Schattenarbeit?

C.G. Jung hat den Schatten so definiert: «Er besteht aus all den Dingen, die wir auch sind, aber niemals sein möchten». Der Schatten umfasst verdrängte Aspekte, die wir an uns inakzeptabel finden. Wir haben sie abgespalten, aus Angst oder Scham, dafür nicht geliebt, nicht anerkannt oder gar bestraft zu werden.

In der Natur sind Licht und Schatten untrennbar miteinander verbunden: Ohne Licht gibt es keinen Schatten und umgekehrt! Was in der Natur Gültigkeit hat, gilt ebenso für unsere Persönlichkeit.

Es gibt Charakterzüge, die wir anderen Menschen gerne zeigen. Das sind die, welche «sozial verträglich» sind. Alle anderen verstecken wir lieber, weil es uns unangenehm wäre, wenn Mitmenschen diese Eigenschaften oder Verhaltensweisen bei uns entdecken würden. Doch, ob wir es wollen oder nicht: vor unserem Schatten können wir nicht einfach flüchten. Wir können ihn vielleicht eine Weile hinter einer Maske verbergen, aber er verfolgt uns (trotzdem), ob in Symptomen, in entsprechenden Lebenssituationen oder auch nachts, in den Träumen.

So entsteht der Schatten (kurz zusammengefasst):

· Wir werden heil & vollkommen geboren

· Als Baby / Kind sind wir abhängig von Eltern oder anderen Bezugspersonen und darauf angewiesen, Schutz, Nahrung und Liebe zu bekommen

· Wir erhalten Lob & Tadel für das, was wir tun und merken uns: Aha, mit dieser oder jener Verhaltensweise komme ich nicht gut an / erhalte damit keine Liebe…

· So werden wir konditioniert und zeigen dann vor allem diejenigen Eigenschaften, für die wir Lob ernten – und verstecken die anderen

· Auf diese Weise entsteht der Schatten: „unbeliebte“ Eigenschaften werden ins Unterbewusstsein verdrängt…

…wo sie natürlich nicht weg sind, sondern nach wie vor (unbewusst) auf uns einwirken

Wenn später im Leben andere Menschen Verhaltensweisen zeigen, die einem unserer Schattenaspekte entspricht, reagieren wir negativ und verurteilen vielleicht diesen Menschen. Wir projizieren damit unseren Schatten auf Andere: auf Partner, Freunde, Arbeitskollegen oder Fremde. Was aber auch nicht dazu beiträgt, heil und ganz zu werden.

Wie erkennen wir den Schatten in uns?

Was auch immer uns an anderen Menschen stört oder gar nervt, hat weniger mit ihnen als vielmehr mit uns selbst zu tun. Es weist uns auf unbewusste Eigenschaften oder Persönlichkeitsanteile hin, die wir in uns ablehnen und sie deshalb auf andere Menschen projizieren…

Das heisst: Wenn wir uns beispielsweise immer wieder über Menschen ärgern, die sehr forsch auftreten, geht es möglicherweise darum, zu prüfen, in welchem Bereich wir uns mehr behaupten sollen. Oder, wenn wir uns über sehr egoistische Menschen nerven, gilt es vielleicht, zu schauen, wie wir besser für uns selber sorgen könnten.

Schatten ans Licht holen durch Erkennen und Integrieren

Das Erkennen von Schattenaspekten dient u.a. der tieferen Selbsterkenntnis. Beim Integrieren von ungeliebten und ungelebten Persönlichkeitsanteilen geht es vor allem darum, diese anzunehmen und wieder zurückzunehmen. Selbstliebe ist der Schlüssel dazu: sich so anzunehmen, wie man ist, mit Licht und Schatten! Die aktuelle Zeitqualität bringt übrigens unseren Schatten immer mehr an die Oberfläche…

Auch wenn uns anfänglich die Konfrontation mit diesen Energien und das Integrieren von Schattenthemen unbequem erscheinen mag, hilft sie uns, wieder mehr und mehr heil und ganz zu werden.

Das Annehmen und Integrieren von ungeliebten Persönlichkeitsanteilen birgt das Potential,

authentischer zu werden

ein besseres Selbstwertgefühl / mehr Selbstliebe zu entwickeln

– wieder mehr in seine Kraft und Lebensfreude zu finden

– sich angekommen und vollständig zu fühlen.

Hier gebe ich dir eine einfache Übung an die Hand:

Übung zur Integration von Schattenaspekten

– Achte darauf, dass du mind. 10-15 Minuten lang ungestört bist

– Rufe dir eine Situation in Erinnerung, bei der du dich über einen Menschen genervt hast, mache dir diese Eigenschaft / Verhaltensweise bewusst und benenne sie für dich. (z.B. sehr forsch auftreten, egoistisch sein, alles besser wissen, sich benehmen wie ein Elefant im Porzellanladen, etc.)

– Mache es dir jetzt ganz bequem, im Sitzen oder Liegen und schliesse, wenn du magst, deine Augen.

– Atme nun ein paar Mal tief und ruhig ein und aus, ganz in deinem Rhythmus, und lasse mit jedem Ausatmen los, was dich jetzt noch beschäftigt

– Beobachte, wie sich bei jedem Einatmen dein Brustraum hebt und mit jedem Ausatmen wieder senkt

– Zähle jetzt langsam rückwärts, von 5 bis 1, visualisiere dabei jede einzelne Zahl vor deinem inneren Auge – und lasse sie dann wieder verblassen

– Wenn du bei 1 angelangt bist und auch diese Zahl verblasst ist….

– …dann gehe mit deiner Aufmerksamkeit zu deinem Herzchakra, in der Mitte deiner Brust, und lasse in deiner Vorstellung deinen Atem dorthin fliessen

– Stelle dir dann ein weissgoldenes Licht vor, dass sich von deinem Herzchakra aus immer mehr und mehr ausbreitet – bis schliesslich weit über deinen physischen Körper hinaus

– Lasse jetzt vor deinem inneren Auge den Schattenaspekt auftauchen, den du vorhin benannt hast (die Eigenschaft oder Verhaltensweise, die dich an anderen nervt)

– Sage dir jetzt, laut oder in Gedanken: „ja, so ist es – auch das darf da sein. – Auch das gehört zu mir!“

– Wenn sich jetzt Widerstand in dir zeigt („nein, das gehört nicht zu mir“,… etc.), dann nimm auch das einfach an: Nimm an, dass du diesen Schattenaspekt jetzt (noch) nicht annehmen kannst!

– Lasse jetzt in deiner Vorstellung Liebe, Mitgefühl oder weissgoldenes Licht zu dieser Eigenschaft / zu diesem Schattenaspekt strömen und wiederhole noch einige Male: „ja, so ist das – auch das darf da sein. – Auch das gehört zu mir!“

– Falls sich noch immer Widerstand zeigt: Dann nimm einfach an, dass du diesen Schattenaspekt jetzt (noch) nicht annehmen kannst!

– Nimm dabei eine beobachtende Position ein. Du bist nicht dieser Schattenaspekt…

– Sobald du dazu bereit bist, dann atme wieder ein paar Mal tiiieeef ein und aus, nimm wieder ganz deinen Körper wahr, recke und strecke dich und öffne deine Augen. 

Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Schattenintegration!

Bild: Pixabay

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